Am 30. November 2009 hatte die auf Fahrzeugklimatisierung und Motorkühlung spezialisierte Behr-Gruppe strukturelle Maßnahmen in den deutschen Werken angekündigt. Damit sollen dauerhafte Überkapazitäten reduziert und Kostennachteile, die Behr gegenüber dem Wettbewerb hat, ausgeglichen werden. Die jetzt erreichte Einigung mit Betriebsräten und IG Metall ist ein wichtiges Etappenziel auf dem Weg zum Turnaround.
Die wesentlichen Verhandlungsergebnisse:
Bei Behr Kirchberg (Sachsen) konnte der ursprünglich geplante Abbau von bis zu 90 Arbeitsplätzen durch das Auslaufen befristeter Arbeitsverträge, Abfindungsangebote und Altersteilzeitregelungen bereits zu zwei Dritteln umgesetzt werden. Für die 22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze jetzt noch wegfallen werden, besteht ab 01.01.2011 die Möglichkeit, für zwölf Monate in eine Transfergesellschaft zu wechseln, um u. a. durch gezielte Qualifizierungsmaßnahmen ihre Chancen auf dem externen Arbeitsmarkt zu verbessern.
Behr Thermot-tronik in Kornwestheim bei Ludwigsburg wird sich künftig vor allem auf die Herstellung von elektronischen Kennfeldthermostaten sowie auf die Vorserienproduktion und Stanzerei konzentrieren. Die Herstellung von konventionellen Thermostaten wird ab Juni 2010 nach Holysov/Tschechien und Berga/Thüringen verlagert. Die Zahl der unvermeidbaren Kündigungen konnte von bis zu 150 auf derzeit weniger als 50 Kündigungen zum 31.12.2012 reduziert werden. Auch hier erhalten die von Kündigung bedrohten Mitarbeiter die Möglichkeit, für zwölf Monate in eine Transfergesellschaft zu wechseln.
Aufgrund des massiven Rückgangs im Ölkühler-Geschäft und des deutlichen Kostennachteils gegenüber dem Behr Industry-Werk in Reichenbach/Sachsen gab es keine Alternative zur Schließung der Produktion im Werk Stuttgart zum 30.09.2010. Die Restproduktion der Ölkühler wird in der Region Mühlacker stattfinden. Die Produkte von Mahle Behr Industry werden in Eigenfertigung am Standort Reichenbach hergestellt.
Betriebsbedingte Kündigungen im Werk Stuttgart können vermieden werden, wenn sich die betroffenen Mitarbeiter für
- Aufhebungsvereinbarungen mit Abfindungen
- individuelle Lösungen bei rentennahen Jahrgängen
- freie bzw. frei werdende Arbeitsplätze an anderen Standorten
- oder den Wechsel in eine Transfergesellschaft ab 01.10.2010 für maximal drei Jahre
entscheiden.
Für ca. 150 Mitarbeiter stehen Arbeitsplatzangebote an anderen Standorten zur Verfügung, u. a. 35 in der Region Mühlacker und 80 in Neustadt.
Alle Mitarbeiter der Behr GmbH & Co. KG (Behr Deutschland), der Behr Kirchberg GmbH und der Behr Thermot-tronik GmbH am Standort Kornwestheim leisten einen zusätzlichen Sanierungsbeitrag:
- Die im Tarifvertrag 2010/2011 vorgesehene Einmalzahlung in Höhe von 160 EUR im Dezember 2010 entfällt.
- Das Urlaubsgeld der Jahre 2011 bis 2015 wird gekürzt: 2011 um 37,5 %, 2012-2014 um 50 % und 2015 um 33 %.
- Zusätzlich wird in den Standorten Kornwestheim und Neustadt - ähnlich wie in der Region Mühlacker bereits seit 2008 - das Weihnachtsgeld in den Jahren 2011 bis 2014 erfolgsabhängig gestaltet. An den Standorten Kirchberg, Region Mühlacker und Stuttgart (Entwicklung und Verwaltung) gilt diese Regelung für die Jahre 2010 bis 2014.
Im Juni 2009 war vereinbart worden, dass Behr bis 31.03.2011 bis zu 300 Arbeitsplätze in Entwicklung und Verwaltung in Stuttgart abbauen wird. Bisher wurde davon bereits ca. die Hälfte über die Nutzung der natürlichen Fluktuation, Altersteilzeitregelungen und ein freiwilliges Abfindungsprogramm abgebaut. Darüber hinaus sieht Behr aufgrund der positiven Marktentwicklung derzeit Chancen für Projekte, die 2009 noch nicht bekannt waren. Daher wird der ursprünglich vereinbarte Termin 30.06.2010, zu dem betriebsbedingte Kündigungen mit dem Betriebsrat verhandelt worden wären, auf den 30.09.2011 verschoben. Damit werden aufgrund der derzeitigen erfreulichen Marktsituation betriebsbedingte Kündigungen vorerst nicht weiter verfolgt.
Nach Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen gibt Behr bis 30.06.2015 eine Beschäftigungssicherung und bis 31.12.2015 eine Standortsicherung für die Behr GmbH & Co. KG (Werke Mühlacker, Vaihingen/Enz, Pforzheim, Neustadt/Donau; Verwaltung und Entwicklung in Stuttgart), für den Standort Kornwestheim von Behr Thermot-tronik sowie für Behr Kirchberg.
Stimmen zur Einigung:
Jürgen Holeksa, Leiter Personal Behr-Gruppe und Verhandlungsführer:
„Wir haben gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern einen Weg erarbeitet, der einen wichtigen Beitrag dazu leistet, die Zukunft unserer Firma zu sichern. Unser Ziel war die Restrukturierung der Standorte in Deutschland. Mit den verhandelten Maßnahmen haben wir dies erreicht. Unser Ziel war nicht der Abbau möglichst vieler Arbeitsplätze und wir werden alles daran setzen, die Zahl der unvermeidbaren Kündigungen möglichst gering zu halten. Deshalb bewerten wir es auch ausdrücklich als Erfolg, dass statt der ursprünglich bis zu 440 von einer möglichen Kündigung betroffenen Mitarbeiter nunmehr nur noch maximal ca. 250 mit dem Wechsel in eine Transfergesellschaft oder mit einer möglichen Kündigung rechnen müssen - und auch erst dann, wenn sie alle Alternativangebote einschließlich der 150 freien Arbeitsplätze abgelehnt haben.“
Dr. Markus Flik, Vorsitzender der Behr-Geschäftsführung:
„Diese Einschnitte sind für uns als Unternehmen, aber insbesondere für jeden einzelnen Betroffenen sehr schmerzhaft. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und haben diese Entscheidungen mit Augenmaß getroffen. Wir haben die unternehmerische Pflicht, sie konsequent umzusetzen, um uns an die nachhaltigen Veränderungen in unserer Branche anzupassen, den Turnaround zu schwarzen Zahlen zu schaffen und bei Behr so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten. Wir haben damit nach harten Verhandlungen mit Betriebsrat und IG Metall einen tragfähigen Kompromiss gefunden, der den Interessen beider Seiten gerecht wird. Es ist uns gelungen, die Erfordernisse der Restrukturierung mit den sich abzeichnenden Marktchancen in Einklang zu bringen.“
Zum Unternehmen:
Die Behr GmbH & Co. KG, Stuttgart, ist Systempartner der internationalen Automobilindustrie. Die Unternehmensgruppe ist spezialisiert auf Fahrzeugklimatisierung und Motorkühlung und zählt weltweit zu den führenden Erstausrüstern bei Pkw und Nutzfahrzeugen. Der Umsatz betrug im Geschäftsjahr 2009 ca. 2,5 Mrd. EUR. Behr beschäftigt in 17 Entwicklungs-standorten und 28 Produktionswerken sowie 12 Beteiligungsgesellschaften weltweit ca. 17.000 Mitarbeiter.
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